Trauriger Weltrekord von Ewa Wisnerska

XC-Manilla Open 14.02.07

Ein schwerer Sturm hat die deutsche Gleitschirm-Weltmeisterin Ewa Wisnierska bei einem Trainingsflug in Australien auf eine Höhe von 9946 Meter gerissen, wo Temperaturen bis zu minus 50 Grad herrschten. Bei Eiseskälte, Blitz, Hagel und Regen trieb die 35-Jährige mehr als eine halbe Stunde lang bewusstlos durch die Luft. Ihre Überlebenschancen seien fast Null gewesen, sagte Wisnierska danach.

Mit Erfrierungen im Gesicht und Eis im Fluganzug kehrte Wisnierska schließlich auf die Erde zurück, wie die Organisatoren der Weltmeisterschaft, für die Wisnierska trainierte, am Freitag berichteten. "Ich wusste, dass ich kaum eine Chance hatte", sagte Wisnierska dem austalischen Sender ABC in einem Interview. "Ich konnte nur auf Glück zählen - und das hatte ich.

"Ich kann nichts tun", hatte Wisnierska per Funk aus 4.000 Metern Höhe ihrem Bodenteam in der Nähe der Stadt Manilla in New South Wales erklärt. "Es regnet und hagelt und ich steige noch immer - ich bin verloren." In nur 15 Minuten stieg Wisnierska von 760 auf 9946 Meter. Sie habe sich wie ein Astronaut der Apollo 13 auf der Rückkehr zur Erde gefühlt, als ihr endlich die Landung gelang, erzählte sie.

Kleidung war am Körper festgefroren
Wisnierska landete schließlich nach 90 Minuten 500 Meter von einem Bauernhof entfernt. Ihre Gliedmaßen waren steif und ihre Kleidung war an ihrem Körper festgefroren. "Die Kräfte sind unvorstellbar", sagte sie im Rundfunk. "Man fühlt nichts, man ist wie ein Blatt von einem Baum, das in die Luft getragen wird."

Bodenteam verfolgte Horror-Flug per Funk
Das Bodenteam verfolgte den lebensgefährlichen Flug der 35-Jährigen per GPS und Funkgerät. In einer Höhe von rund 6900 Metern kam Wisnierska schließlich wieder zu sich und setzte zum Sinkflug an. Sie wurde zur Beobachtung ins Krankenhaus eingeliefert. Bereits eine Stunde später erklärte sie, trotz des dramatischen Unfalls an der Weltmeisterschaft am 24. Februar teilnehmen zu wollen. Wisnierska hatte 2005 die Meisterschaft im Gleitschirmfliegen gewonnen.

"Das ist wie zehn Lottogewinne hintereinander", erklärte Godfrey Wennes von der Flugsport-Organisation FAI, die die Weltmeisterschaft ausrichtet.

Chinesischer Gleitschirmflieger tot
Weniger Glück als die Deutsche hatte der 42-jährige Gleitschirmflieger He Zhongpin aus China. Er kam bei dem Sturm in großer Höhe ums Leben. Der Mann wurde 75 Kilometer von seinem Startplatz entfernt gefunden. Er starb offenbar an Sauerstoffmangel und den extremen Temperaturen in großer Höhe.

Das Vario zeigt folgende Werte:
Flighttime: 3:31:01
max A1: 9946m
max Vario: 20.2 m/s
min Vario: -33.1 m/s
max Speed: 152 km/h

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Temp vom 14.02.07
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Persönliche Stellungnahme der Pilotin der Deutschen Nationalmannschaft Ewa Wisnierska:

"Als wir an den Schauerwolken vorbei waren und diese im sicheren Abstand hinter uns waren, sah der Weg Richtung Norden sehr gut aus. Ich hatte völlig unterschätzt, dass sich vor uns und vor allem so schnell eine CB aufbauen könnte. Dies stellte sich leider als folgenschwere Fehleinschätzung heraus. Vom sanften "Nullschieber" änderten sich die Steigwerte in Sekunden auf 15 bis 20 m/sek.

Nach drei Versuchen ab zu spiralen gab ich auf und habe versucht aus dem unglaublichen Steigen raus zu kommen. Doch es hörte nicht auf und schleuderte mich in kürzester Zeit bis auf knapp 10.000 m. Dabei verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich immer noch auf 6.900 m. Dabei stellte ich fest, dass mein Gleitschirm immer noch am Fliegen ist. Es dauerte noch einige Zeit, bis ich auf 5.000 m realisierte, dass ich nicht mehr steige. Also entschloss ich mich, noch mal zu versuchen ab zu spiralen. Mit moderaten Sinkwerten gelang es mir in einem Zug weit unter die Wolkenbasis runter zu kommen.

Nach der Ausleitung der Spirale auf etwa 1.500 m schaute ich nach einer Spur von Zivilisation. Und ich fand eine Farm, die ich mit Rückenwind fast erreicht habe. 500 m vorher drehte ich nur vorsichtig gegen den Wind und landete sanft vor dem Zaun. Zum Glück hatte ich Handyempfang und konnte Stefan meine Koordinaten durchgeben. Nach kurzer Zeit waren meine Retter bei mir.

Wir fuhren direkt ins Krankenhaus, doch die Untersuchung ergab normale Sauerstoffwerte. Ich erlitt nur Erfrierungen an den Ohren und am Unterschenkel, wo der Hagel die exponierte Stelle verletzte. Ich konnte aber gleich wieder Heim fahren und gehe nur noch zur täglichen Visite. Nach Meinung des Arztes macht der Heilungsprozess sehr gute Vorschritte und ich kann realistisch mit der Teilname an der WM rechnen."